Gustav Wertheimer (Wien 1847 – Paris 1902), “Kuss der Sirene”, signiert und datiert mit Originalrahmen, 1879
Rahmen hinten “G. Wertheimer 1879 Paris”, Kuss der Sirene”, Stempel: “A. Chramosta / zur / Stadt Düsseldorf / Wien / I., Kärntnerstraße 20”
Gustav Wertheimer studierte an der Akademie der vereinigten bildenden Künste in Wien unter Hans Makart und setzte seine Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in München unter Wilhelm von Diez fort. Nach ersten Erfolgen in Wien – insbesondere im Rahmen der Weltausstellung 1873 – lebte er ab 1874 teilweise, ab 1881 schließlich dauerhaft in Paris. Gleichzeitig stellte er weiterhin regelmäßig in Wien und München aus. 1883 wurde er auf der Internationalen Kunstausstellung in Amsterdam mit einer Goldmedaille ausgezeichnet; bei den Expositions Universelles in Paris 1889 sowie 1900 folgten weitere international beachtete Ehrungen.
In seiner frühen Schaffensphase war Wertheimer stark vom Einfluss seines Lehrers Makart geprägt. Doch der künstlerische Austausch mit der lebendigen Pariser Kunstszene ermöglichte ihm bald, einen eigenen Stil zu festigen. Spätestens ab 1878 ist die Bekanntschaft mit der berühmten französischen Malerin Suzanne Valadon belegt, die ihm mehrfach Modell stand und ihn auch nachhaltig inspiriert haben dürfte.
Im selben Jahr präsentierte Wertheimer im Künstlerhaus Wien ein kleines Ölgemälde mit dem Titel „Der Welle Umarmung“ – ein Werk, das bereits auf eines seiner zentralen Themen verweist: die mythische Sirene, die mit einem rauschhaften Kuss den ahnungslosen Seefahrer ins Verderben zieht. Ende 1878 kündigte Wertheimer an, an einem großformatigen Gemälde mit dem Titel „Susanna“ zu arbeiten. 1882 stellte er schließlich im Pariser Salon das Werk „La baiser de la sirène“ aus, das umgehend Aufmerksamkeit auf sich zog. Das Gemälde wurde 1883 in München und 1886 in den Vereinigten Staaten gezeigt – und dort auch verkauft. Heute befindet sich „the kiss of the siren“ im Indianapolis Museum of Art.
Das hier vorliegende Gemälde lässt sich stilistisch und kompositorisch als ein Entwicklungsschritt zwischen „Der Welle Umarmung“ (1878) und „La baiser de la sirène“ (1882) verorten. Wertheimer experimentierte hier vor allem mit der Stellung des Bootes sowie der Körperhaltung der Hauptfiguren. Die Szene ist dramatisch verdichtet: Die Hände des Seefahrers sind krampfhaft gekrümmt, sein Körper unnatürlich verdreht, das Gesicht eine maskenhafte Leere – vollkommen im Bann der Sirene. Diese wiederum ist ganz auf ihr Ziel fixiert: Ihr leicht geöffneter Mund berührt kaum die Lippen des Verdammten, während ihre Augen dessen Blick ausweichen. Mit fest umschlungenem Griff zieht sie ihn in die dunklen Tiefen des Meeres. Ihr kastanienbraunes Haar changiert je nach Lichteinfall zwischen Gold und Schwarz – ein Wechselspiel aus Sonne und Wasser. Wertheimer legte in diesem Werk besonderen Fokus auf die Positionierung und Haltung der Figuren und die aufsteigende Bewegung der Meereswelle.
Die Rückseite von Rahmen und Leinwand weist – abgesehen vom Werktitel und einem Stempel eines Wiener Leinwandmachers – keinerlei Hinweise auf frühere Ausstellungen auf. Möglich ist, dass Wertheimer in Suzanne Valadon nicht nur ein Modell, sondern auch eine persönliche Muse sah, was dem Werk eine besonders intime Dimension verleiht.
Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde das Gemälde 1903 verkauft, als nach Wertheimers Tod knapp hundert seiner Werke im Hôtel Drouot in Paris versteigert wurden. Im Auktionskatalog findet sich unter Los 19 ein Eintrag mit dem Titel „La Sirène“ (Maße: 110 × 137 cm) – ein Format, das dem vorliegenden Werk entspricht.
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