Ölgemälde, Secessionistisches Damenporträt, Anton Nowak, um 1901
signiert oben rechts “Anton Nowak, Wien”
Bib.: Ver Sacrum, Heft 9, 1901, S. 155, 160–161; Katalog der X. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs, Secession, Wien, März–Mai 1901.
Maße ohne Rahmen: 180 cm × 100 cm
In Kooperation mit der GALERIE TRAUDES KINDER
Anton Nowak zeigt eine junge Frau in einem leuchtend gelben, reich mit farbigen Schmucksteinen besetzten Gewand, das ihre Brüste unverhüllt lässt. In beiden Händen hält sie schwere Bahnen eines tiefgrünen Stoffes. Die intensive Farbigkeit von Gelb, Grün und den juwelenartigen Akzenten hebt die lebensgroß dargestellte Figur eindrucksvoll vom dunkel und frei gemalten Hintergrund ab.
Doch es ist vor allem ihre Haltung, die dieses Gemälde so außergewöhnlich macht: aufrecht, selbstbewusst und vollkommen unbefangen steht die Dargestellte dem Betrachter gegenüber. Ihr Blick wirkt stolz, distanziert, beinahe gelangweilt. Nichts an ihrer Erscheinung scheint um Zustimmung zu werben. Gerade darin liegt die erstaunliche Modernität dieses Bildes.
Man muss sich die Entstehungszeit vor Augen führen: 1901. Die unverhüllte Darstellung des weiblichen Körpers verbindet sich hier nicht mit Scham, Koketterie oder klassischer Idealisierung, sondern mit einer beinahe demonstrativen Selbstverständlichkeit. Das Ergebnis wirkt provokativ, avantgardistisch und bis heute überraschend zeitgenössisch.
Auch malerisch ist das Werk bemerkenswert. Nowak arbeitet mit einer freien, lebendigen Pinselführung und großer Sicherheit in der Modellierung von Haut, Stoff und Schmuck. Besonders spektakulär ist das Wechselspiel zwischen dem fast glühenden Gelb des Kleides, dem satten Smaragdgrün der Draperie und dem gedämpften, atmosphärischen Hintergrund. Die kostbaren Details des Gewandes werden dabei nicht kleinlich beschrieben, sondern mit raschen, präzisen Farbakzenten zum Funkeln gebracht.
So entsteht ein Bild von ungewöhnlicher körperlicher und psychologischer Präsenz: monumental und dekorativ, sinnlich und zugleich kühl distanziert – und in seiner Haltung gegenüber dem traditionellen Frauenbild seiner Zeit bemerkenswert modern.
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