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Patinierter Kopf Franz Hagenauer Werkstätte Hagenauer 1950er Jahre

SKU A18

Patinierter Messingkopf, Franz Hagenauer, Werkstätte Hagenauer Wien, 1950er Jahre, markiert

  • Höhe: 37cm
  • Länge: 11cm
  • Breite: 14cm
  • Datierung: 1950 bis 1955
    Epoche: Design
    Technik: Messing, getrieben, verlötet, patiniert

    Markiert mit „wHw“ im Kreis, „HAGENAUER WIEN“ und „Made in Austria“
    Lit.: Olga Kronsteiner in Monika Wenzl-Bachmeier (Hg.), Hagenauer. Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit, Ausstellungskatalog Wagner:Werk Postsparkasse, Wien 2011, S. 48

    28.000,00 inkl. MwSt.
    SKU A18
    Beschreibung

    Menschliche Darstellungen aus der Feder von Franz Hagenauer weisen meist eine deutliche Reduktion der Gesichtsmerkmale auf: Oft lassen lediglich Haare, Lippen oder Brüste Schlüsse über die dargestellte Person zu. Bei dieser Figur lässt Franz Hagenauer all diese Attribute weg und beschränkt sich auf die Darstellung von Kopf, Hals, Augen, Mund und Nase. Diese strikte Reduktion, kombiniert mit absolut idealisierten Proportionen, bewirkt beim Betrachten ein Gefühl der Perfektion. Unsere Büste strahlt Eleganz und Erhabenheit aus, welche in dieser Intensität in der Kunst ausgesprochen selten anzutreffen sind. Die Patinierung der, eigentlich warmen, Messinglegierung reißt die Figur aus der Wirklichkeit und verleiht ihr eine kühle entrückte Zeitlosigkeit. Diese Skulptur zählt zu den beeindruckendsten Werken Franz Hagenauers, die wir je präsentieren durften.

    KÜNSTLER

    Franz Hagenauer (Wien 1906 – 1986 Salzburg) war ein österreichischer Bildhauer und Designer, der zusammen mit seinem Bruder Karl die Werkstätte Hagenauer Wien führte. Mit seinen avantgardistischen Metallskulpturen hat er österreichische Designgeschichte geschrieben.

    Als Sohn des Gürtlermeisters Carl Hagenauer (1872-1928) hatte Franz Hagenauer schon früh die Möglichkeit, die kunsthandwerkliche Seite der Metallverarbeitung im väterlichen Betrieb kennenzulernen.

    Künstlerisch veranlagt, erhielt er ab 1920 seine Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule zunächst bei bei Franz Cizek (Ornamentale Formenlehre), dann bei Anton Hanak (Bildhauerei) und zeitweise auch bei Josef Hoffmann (Werkstätte für Gürtlerei und Metallarbeiten).

    Nach dem Abschluss seiner Ausbildung im Jahr 1925 und einigen Studienaufenthalten in Paris, Rom und Berlin, trat er in die väterliche Metallwerkstatt ein, wo er 1928 offiziell eine Lehre als Gürtler begann.

    Bis zum Ableben des älteren Bruders Karl im Jahr 1956 arbeiteten Karl und Franz Hagenauer gemeinsam im elterlichen Betrieb. 1956 übernahm Franz dann die Geschäftsführung und führte die Werkstätte bis zu seinem Tod 1986 weiter.

    Die Jugend und Ausbildungszeit Franz Hagenauers in den 1920er Jahren fallen in eine Zeit der kulturellen Umbrüche, in der sich die verschiedenen Kunstströmungen der Moderne herauskristallierten, wie z.B. Art Déco, Neue Sachlichkeit, Bauhaus-Stil. So sind seine frühen, skulpturalen Arbeiten auch vom Futurismus beeinflusst.

    In der frühen Phase bis zum Ende der 1930er Jahre ist Franz Hagenauer, seinem künstlerischen Selbstverständnis folgend, vorwiegend als Bildhauer tätig und fertigt stark stilisierte Kopfskulpturen, Büsten sowie halbplastische Objekte aus getriebenem Metall an.

    Die zum Teil meisterhaft aus einem einzigen Stück Messingblech getriebenen Skulpturen verkörpern die Suche nach einer modernen, stark abstrahierten Formensprache und sind oft auf geometrische Grundformen reduziert. Mit diesen hochwertigen Einzelanfertigungen legte Franz Hagenauer die Basis für sein künstlerisches Formenvokabular, aus dem er bis in seine späten Jahre schöpfen wird.

    In den Jahrzehnten ihres Bestehens und den jeweiligen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschuldet, wurden in der Werkstätte Hagenauer zeitweise vorwiegend einfache aber dennoch hochwertige Gebrauchs- oder Dekorationsgegenstände aus Metall bzw. Holz gefertigt. Die Urheberschaft vieler dieser Entwürfe lässt sich heute nicht mehr eindeutig Karl oder Franz Hagenauer zuordnen.

    „Gesichert ist…, dass Franz Hagenauer seine künstlerische Erfüllung zeitlebens nicht im Entwurf von Gebrauchs- oder Dekorationsgegenständen fand, (…), sondern in seiner bildhauerischen Tätigkeit.“*

    1962 bis 1976 unterrichtete Franz Hagenauer an der Hochschule für angewandte Kunst. Durch seine Lehrtätigkeit und im Austausch mit den Studenten erhielt er neue kreative Impulse für sein eigenes Schaffen. In diese Zeit fällt auch die Entwicklung dreidimensionaler Objekte hin zu nochmals reduzierten, flacheren, zweidimensionalen Kunstobjekten, wie z.B. maskenähnlichen Wandskulpturen.

    Ab den späten 1960er Jahren erleben die Arbeiten aus der Werkstätte Hagenauer eine verstärkte Nachfrage aus den USA. In dieser Zeit werden frühe Modelle von Franz Hagenauer, teils in modifizierter Form, wieder produziert und direkt nach Amerika exportiert.

    Der Name Franz Hagenauer ist jedenfalls untrennbar verbunden mit der Werkstätte Hagenauer und steht für modern-zeitloses, österreichisches Design.

    *Olga Kronsteiner in Monika Wenzl-Bachmeier (Hg.), Hagenauer. Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit, Ausstellungskatalog Wagner:Werk Postsparkasse, Wien 2011, S. 48

    KUNSTGESCHICHTLICHER KONTEXT

    Werkstätte Hagenauer Wien – stilistische Entwicklung und Bedeutung

    Die Werkstätte Hagenauer zählt heute, mit Recht, zu den bedeutendsten Kunstwerkstätten Österreichs des 20 Jahrhunderts. Die klare, strenge Formsprache, kombiniert mit dynamischen Posen und die Verwendung von Messing, vernickelt, patiniert oder blank, sowie Kupfer, Alpacca und Exotenholz, weist einen hohen Wiedererkennungswert auf. Doch bis die Brüder Karl und Franz ihren eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelten, sollte einige Zeit vergehen.

    Karl und Franz besuchten beide die Kunstgewerbeschule in Wien und lernten unter Josef Hoffmann, Oskar Strnad, Anton Hanak und Dagobert Peche. Gerade bei Karl sind im Frühwerk aus den 1910er und 20er Jahren die Einflüsse seiner Lehrer deutlich zu erkennen. Karl zeichnete auf Initiative von Josef Hoffmann einige Jahre Entwürfe für die Wiener Werkstätte, dabei sind vor allem die zarten floralen und figuralen Entwürfe aus Elfenbein sehr ähnlich denen von Dagobert Peche (siehe Deckeldose mit Elfenbeinknauf). In den 1920ern begann sich bei Karl bereits eine Stilwende abzuzeichnen: die Ornamentik trat immer mehr in den Hintergrund, geometrische, reduzierte Formen wurden dominanter. Gerade im figuralen Segment wich Hagenauer hier von klassischen Darstellungen von Mensch und Tier ab und begann einen eigenen Stil zu entwickeln (siehe kniender Mann, versilbert). Gliedmaßen und Proportionen wurden gestreckt, aber reduzierter dargestellt, die Posen dafür dynamisch und kraftvoll (siehe Kerzenleuchter Diana). Die verwendeten Materialen änderten sich von Silber und Elfenbein zu wärmeren, unedleren Metallen wie Messing, Alpacca und Kupfer. Dabei achtete Karl Hagenauer immer auf die hohe kunsthandwerkliche Qualität seiner Erzeugnisse.

    Mit dem vollständigen Eintritt Franz Hagenauers in die Werkstätte Hagenauer, zwischen 1925 und 1931, entstanden die ersten halbplastischen Köpfe und menschlichen Figuren. Zeit seines Lebens waren für Franz Hagenauer getriebene Metallarbeiten immer wichtiger als reine Gebrauchsgegenstände oder gegossene Plastiken (siehe Akt mit Armband). In den Späten 1920ern wurden auch die ersten, als Schaufensterdekorationen gedachten, Büsten aus Metall hergestellt. Als hochwertige Gegenstücke zu den massengefertigten Schaufensterpuppen und Dekorationen aus Kunststoff entworfen, wurden diese Objekte vermutlich von betuchten qualitäts- und kunstbewussten Geschäftsleuten gekauft. Die Werkstätte Hagenauer fertigte auch überlebensgroße Modelle mit einer Höhe von mehr als zwei Metern an. Gerade bei diesen Gegenständen wird die Entwurfskraft von Karl und Franz Hagenauer deutlich spürbar. Die Figuren werden stark reduziert dargestellt: das Geschlecht ist nur an einigen wenigen Merkmalen, wie Gesichtsform, Frisur, leicht gerundete Brüste etc., festzumachen (siehe Tänzerin aus Holz). Auch Email findet als Werkstoff Verwendung, vor allem Lippen wurden immer wieder gerne mit diesem Material verziert.

    Im Jahr 1934 übersiedelte die Werkstätte Hagenauer nunmehr in die Bernardtgasse. Dort konnten größere Räumlichkeiten bezogen werden und somit die Produktion nochmals erweitert werden. Um 1930 herum entstand auch die erste Figur aus Holz und Metall. Es handelte sich hierbei um eine Darstellung der berühmten Sängerin und Schauspielerin Josephine Baker für die vermutlich Karl Hagenauer als Entwerfer verantwortlich war. Auch in diesem Entwurf ist die Zuwendung zur Eleganz und zur Reduktion ganz deutlich erkennbar (vgl. Tänzerin mit Holzrock). Einige der Eindrucksvollsten Figuren aus der Werkstätte Hagenauer zeigen diese Kombination von lebenden und leblosen Werkstoffen. Durch diese Dualität konnten die Brüder Hagenauer Skulpturen mit einzigartiger Ausstrahlung und Leichtigkeit herstellen, die Entwürfe wirken gleichzeitig grazil und doch geerdet.

    In der Zeit bis zum Tod von Karl Hagenauer 1956 wurde den handgetriebenen Skulpturen, Büsten und Plastiken eher weniger Platz in der Produktion der Werkstätte eingeräumt. Man stellte ebenfalls Beschläge, Gitter, Handläufe und andere Gebrauchswaren aus Metall neben dem bereits bestehenden Sortiment an Gebrauchsgegenständen her. Nach dem Tod seines Bruders Karl konnte sich Franz vermehrt seiner wahren Leidenschaft, der Bildhauerei, widmen. Als nun auch Anfang der 50er Jahre die Nachfrage nach Skulpturen in Amerika stieg und die Werkstätte Hagenauer wirtschaftlich gut aufgestellt war, wurde ebendieser Herstellung von Figuren und Plastiken nun wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

    In der Zeit bis 1962 entwarf Franz Hagenauer nicht nur neue Designs, sondern adaptierte auch alte Entwürfe und legte diese neu auf. So wurden beispielsweise bei dem Kerzenleuchter „Diana“ die Tüllen leicht reduziert oder es wurden bei Büsten und Skulpturen die Frisuren und die Pose leicht verändert. Die Qualität der Erzeugnisse dieser Zeit blieb durchgehend auf einem äußerst hohen Niveau. Ab 1962 bis 1976 unterrichtete Franz Hagenauer an der Hochschule für angewandte Kunst. In dieser Zeit bekam das Schaffen Hagenauers wohl neue Impulse durch seine Lehrtätigkeit. Hagenauer reduzierte besonders die Darstellung seiner Büsten und Skulpturen und wandte sich zum Teil vollständig von der Dreidimensionalität ab (siehe Büsten Mann und Frau). In den späten 1960ern und den frühen 1970ern entstanden somit Entwürfe von Profilköpfen die zum Teil aus Messingblech mit applizierten Details oder gar nur aus gebogenen Streifen Messing entstanden. Diese nochmalige Reduktion verdeutlichte den künstlerischen Fortschritt Hagenauers Schaffenskraft abermals und es entstanden Kunstobjekte mit einmaligem Ausdruck, von einfacher aber wirkungsvoller Eleganz. In dieser Zeit erzeugte die Werkstätte Hagenauer auch überlebensgroße Figuren. Besonders beliebt waren dabei Motive von Frauen und Männern in sportlichen Posen sowie Darstellungen von Musikern (siehe Saxophonspieler).

    Franz Hagenauers verlangen nach Kunst und Entwürfen war dermaßen stark, dass er bis zu seinem Tod 1986 regelmäßig eine Wand seines Büros mit seinen Skizzen beklebte. Bis zur Schließung der Werkstätte Hagenauer am 30. Dezember 1987 wurden noch Kunstobjekte von herausragender Qualität erzeugt. Die beiden Brüder Karl und Franz Hagenauer haben mit ihrem künstlerischen Vermächtnis sehr stark zur Bildung des Begriffes „Design“ in Mitteleuropa beigetragen und zählen mit Sicherheit zu den einflussreichsten österreichischen Künstlern des 20 Jahrhunderts.

    Patinierter Kopf Franz Hagenauer Werkstätte Hagenauer 1950er Jahre
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